[Barriers and Potential Improvements in the Diagnosis and Treatment of Asylum Seekers with Tuberculosis in Germany: A Qualitative Study].

Hemmnisse und Verbesserungspotenziale bei der Diagnose und der Therapie asylsuchender Tuberkulosepatienten in Deutschland: Ergebnisse einer qualitativen Untersuchung.

Journal

Gesundheitswesen (Bundesverband der Arzte des Offentlichen Gesundheitsdienstes (Germany))
ISSN: 1439-4421
Titre abrégé: Gesundheitswesen
Pays: Germany
ID NLM: 9204210

Informations de publication

Date de publication:
Nov 2020
Historique:
pubmed: 14 10 2020
medline: 20 11 2020
entrez: 13 10 2020
Statut: ppublish

Résumé

Since 2014, the number of new cases of tuberculosis (TB) has risen in Germany by about 20%. This coincides with a large number of people applying for asylum in Germany. Some of them are from countries in which TB is much more prevalent than in Germany. The objectives of this contribution are to identify and explain barriers in the diagnosis and treatment of asylum seekers with TB and potential improvements in those fields. Data are derived from 14 problem-centred interviews that were carried out with doctors and staff from public health offices, representing the views of experts in the field of health care. On the one hand, the results suggest that structural factors are responsible for some of the barriers mentioned by the experts. For example, the restricted access to health care for asylum seekers leads to a delayed diagnosis since they visit the doctor too late (if at all). Accordingly, a nationwide implementation of an electronic health card for asylum seekers was proposed. On the other hand, individual and cultural factors play important roles as well. To those belong language barriers: they not only complicate history taking and diagnosis, but also educating patients about their disease and therapy. Moreover, the lack of knowledge concerning the German health care system increases the risk of treatment interruptions. To alleviate those problems, experts propose to carry out train-the-trainer-programmes and to install "guides" who pilot asylum seekers with TB through the German health care system. Seit 2014 ist die Zahl der Neuerkrankungen an Tuberkulose (TB) in Deutschland um rund 20% angestiegen. Diese Entwicklung fällt mit einer hohen Zuwanderung von Asylsuchenden zusammen, die z. T. aus Ländern stammen, in denen die TB deutlich weiter verbreitet ist als hierzulande. Vor diesem Hintergrund setzt sich der vorliegende Beitrag zum Ziel, Hemmnisse bei der Diagnose und der Therapie asylsuchender TB-Patienten in Deutschland zu identifizieren und zu erklären. Zugleich sollen Verbesserungspotenziale in diesen Bereichen aufgezeigt werden. Als Datengrundlage dienen 14 leitfadengestützte, problemzentrierte Interviews mit Ärzten und Bediensteten des öffentlichen Gesundheitswesens, die als Experten die Versorgerseite repräsentieren. Auf der einen Seite bringen strukturelle Faktoren die von den Experten benannten Hemmnisse hervor. So führt bspw. der eingeschränkte Zugang zur Gesundheitsversorgung zu einer verspäteten Diagnose, da Asylsuchende hierdurch später (oder gar nicht) zum Arzt gehen. Entsprechend wird eine flächendeckende Einführung einer elektronischen Gesundheitskarte vorgeschlagen. Auf der anderen Seite spielen individuelle bzw. kulturelle Faktoren eine wichtige Rolle. Hierzu zählen z. B. Sprachbarrieren, welche die Anamnese (und damit die Diagnose), v. a. aber die Aufklärung des Patienten erschweren und damit den Therapieerfolg gefährden. Zudem resultiert aus der fehlenden Vertrautheit von Asylsuchenden mit dem deutschen Gesundheitssystem die Gefahr einer Therapieunterbrechung. Schulungsprogramme nach dem „train the trainer“-Konzept und die Etablierung eines „Lotsen“, der asylsuchende TB-Patienten durch das deutsche Gesundheitssystem navigiert, könnten diese Probleme lindern.

Autres résumés

Type: Publisher (ger)
Seit 2014 ist die Zahl der Neuerkrankungen an Tuberkulose (TB) in Deutschland um rund 20% angestiegen. Diese Entwicklung fällt mit einer hohen Zuwanderung von Asylsuchenden zusammen, die z. T. aus Ländern stammen, in denen die TB deutlich weiter verbreitet ist als hierzulande. Vor diesem Hintergrund setzt sich der vorliegende Beitrag zum Ziel, Hemmnisse bei der Diagnose und der Therapie asylsuchender TB-Patienten in Deutschland zu identifizieren und zu erklären. Zugleich sollen Verbesserungspotenziale in diesen Bereichen aufgezeigt werden. Als Datengrundlage dienen 14 leitfadengestützte, problemzentrierte Interviews mit Ärzten und Bediensteten des öffentlichen Gesundheitswesens, die als Experten die Versorgerseite repräsentieren. Auf der einen Seite bringen strukturelle Faktoren die von den Experten benannten Hemmnisse hervor. So führt bspw. der eingeschränkte Zugang zur Gesundheitsversorgung zu einer verspäteten Diagnose, da Asylsuchende hierdurch später (oder gar nicht) zum Arzt gehen. Entsprechend wird eine flächendeckende Einführung einer elektronischen Gesundheitskarte vorgeschlagen. Auf der anderen Seite spielen individuelle bzw. kulturelle Faktoren eine wichtige Rolle. Hierzu zählen z. B. Sprachbarrieren, welche die Anamnese (und damit die Diagnose), v. a. aber die Aufklärung des Patienten erschweren und damit den Therapieerfolg gefährden. Zudem resultiert aus der fehlenden Vertrautheit von Asylsuchenden mit dem deutschen Gesundheitssystem die Gefahr einer Therapieunterbrechung. Schulungsprogramme nach dem „train the trainer“-Konzept und die Etablierung eines „Lotsen“, der asylsuchende TB-Patienten durch das deutsche Gesundheitssystem navigiert, könnten diese Probleme lindern.

Identifiants

pubmed: 33049792
doi: 10.1055/a-1186-0188
doi:

Types de publication

Journal Article

Langues

ger

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IM

Pagination

877-884

Informations de copyright

Thieme. All rights reserved.

Déclaration de conflit d'intérêts

Die Autorinnen/Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Auteurs

Sven Stadtmüller (S)

GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, Mannheim.

Natalja Menold (N)

Institut für Soziologie, Technische Universität Dresden, Dresden.

Jette Schröder (J)

GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, Mannheim.

Stefan Ehlers (S)

Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum.

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